Der Wunsch nach Veränderung- Reisebericht über die Entwicklungen unseres Vereins - KAJO Schulpatenschaften in Äthiopien

Der Wunsch nach Veränderung- Reisebericht über die Entwicklungen unseres Vereins

Dieser Artikel erscheint in den kommenden Wochen in der Nürtinger Zeitung.

Addis Abeba – die typische afrikanische Großstadt, welche wir schon seit der ersten Reise in unser Herz geschlossen haben. Das Gefühl, wieder in einer anderen Welt zu sein, mit einer anderen Mentalität und einem anderen Gefühl von Lebensauffassung konfrontiert zu werden. Mit klopfenden Herzen verließen wir den Flughafen mit der Vorfreude, endlich unseren Freund Alex und unsere zwei Patenkinder, die wir seit einem Jahr zur Schule schicken, endlich wieder in unsere Arme schließen zu können.

Im September 2013 machte ich mich zusammen mit einem weiteren Vorstandsmitglied auf die lange Reise nach Äthiopien. Letztes Jahr im selben Zeitraum beschlossen Johannes Engl und ich nach einem einmonatigen Aufenthalt in Äthiopien einen Verein zu gründen, um etwas zu hinterlassen, das  größer ist, als nur das Land als Beobachter zu bereisen. Aus dem Wunsch  etwas Bleibendes zu schaffen, entstand im Dezember 2012 KaJo e.V. Unser junger Verein  hat es sich zur Aufgabe und zum Ziel gemacht, Kindern in Äthiopien durch eine gute Schulbildung zu einer besseren Zukunft zu verhelfen. Eine Spende des Schulunternehmens Junior „Bag is Black“ in Höhe von 1341,80 Euro im Juni 2013 ermöglichte es uns, bei dieser Reise noch ein weiteres Patenkind aufzunehmen.  An dieser Stelle möchte ich mich im Namen unseres Vereins nochmal herzlich bei allen bedanken, die dies möglich machten.

Zusammen gingen wir in das Waisenhaus Kidane Meheret, in welchem wir bereits im Vorjahr mitgeholfen hatten;  voller Vorfreunde, all die Kinder wiederzutreffen, die wir letztes Jahr zurücklassen mussten;  glücklich darüber, das Versprechen eingehalten zu haben, zurück zu kommen.  Dennoch standen  in dieser Reise nicht nur die Kinder des Waisenhauses im Mittelpunkt, sondern auch die Aufgabe, ein weiteres Patenkind aufzunehmen. Allerdings wurde unsere anfängliche Euphorie schnell getrübt.  Alex hatte wenig erfreuliche Nachrichten für uns: Er unterstützt mit finanzieller Hilfe eines Amerikaners  vier Kinder in Addis Abeba  und ermöglicht ihnen auf diese Weise den Besuch  einer Privatschule. Unerwarteter Weise war der Kontakt zwischen Alex und dem Amerikaner abgebrochen, wodurch Alex in einen enormen Zeitdruck kam. Das Schulgeld für die vier Kinder war noch nicht bezahlt, musste aber binnen einer Woche aufgebracht werden. Es folgten Tage des Wartens, unzählige Versuche, den Amerikaner zu erreichen, aber auch Gespräche mit den daheim gebliebenen Vereinsmitgliedern, mit denen wir Überlegungen anstellten, ob es uns möglich wäre,  die Kosten  der Schule für die vier Kinder zu übernehmen. Trotz aller Bemühungen und Versuche mussten wir enttäuscht feststellen, dass wir nur noch Geld für ein Patenkind aufbringen konnten. Die Entscheidung zu treffen, welches Kind wir unterstützen werden, war unglaublich schwer. In einem Gespräch mit Alex entschieden wir  uns,  die kleine achtjährige Heile, Alex  Cousine und die beste Freundin von Kalkidan, in unseren Verein aufzunehmen.  Alex und seine Familie versuchen seit Beginn dieses neuen Schuljahres die Schulkosten für eines der vier Kinder aufzubringen. Uns ist bewusst, dass diese Entscheidung alles andere als gerecht war und wir sind dennoch davon überzeugt, dass es besser ist einem Kind die Möglichkeit zu geben eine Privatschule zu besuchen, als keinem Kind. Wir lernten Heile in den darauffolgenden Tagen kennen und begleiteten sie zusammen mit Josef  und Kalkidan in die Schule. Dieser Besuch  war ein sehr emotionales Erlebnis: Wir holten den lächelnden Josef von seinem Kindergarten ab, schüttelten die dankbaren Hände seiner Lehrer, die  sehr glücklich darüber sind, einen so  aufgeweckten Jungen in der Klasse zu haben. Josef gehört dieses Jahr zu den zehn begabtesten Kindern dieser Klasse, wir sind sehr stolz auf ihn. Danach gingen wir in die 100 Meter entfernte Schule von Kalkidan und Heile, sie zeigten uns stolz ihre Klassenräume und ihren Schreibtisch. Dabei konnten wir sichtlich wahrnehmen,  wie wohl sich beide dort fühlten. Heile und Kalkidan sind zwar im selben Jahrgang, besuchen aber zu ihrem Leidwesen nicht dieselbe Klasse. Glücklicherweise sind ihre Klassenzimmer direkt nebeneinander, sodass sie sich in der Pause nicht lange suchen müssen.

Die Bezahlung der Schulkosten für Haile erfolgte direkt bei der Direktorin der Schule. Es war sehr berührend mit anzusehen, mit welcher Dankbarkeit sie  das Geld entgegennahm, da sie wusste, dass Heile die Chance bekommen hat diese Schule weiter zu besuchen. Dennoch war sie sehr traurig darüber, dass die anderen Kinder, welche ebenfalls die Schule besuchen, nicht mehr kommen können.

Nach dem Schulbesuch gingen wir alle zusammen in ein naheliegendes Cafe und feierten Kalkidans Geburtstag, es war der 30. September und sie wurde neun Jahre alt.

Mit gemischten Gefühlen flogen wir zurück nach Deutschland, einerseits glücklich darüber ein neues Kind aufgenommen zu haben, andererseits traurig über die anderen drei Kinder, die dieses Jahr nicht zur Schule gehen können, weil  wir niemanden finden konnten, der bereit war die Schulkosten zu übernehmen. Bis jetzt ist die Situation nach wie vor unverändert, die zwei  Kinder besuchen momentan keine Schule. Unser Ziel ist und bleibt es für die kommende Zeit, das Geld für die anderen zwei Kinder aufzubringen.

Seit den letzten Wochen planen wir einen Informationsstand beim diesjährigen Martinimarkt in der Rudolf Steiner Schule Nürtingen am 16. November. Dabei wollen wir selbst gestaltete Jutetaschen verkaufen, um mit dem Erlös unsere Patenschaften zu finanzieren.

Nähere Informationen über unseren Verein und über die Gestaltung der Jutetaschen finden Sie unter  www.kajo-aethiopien.de.

Schulbesuch Addis Ababa

IMG_20130930_153732